NEUE HEIMATEN?  Ein Versuch

Neue Heimaten?

Maruša Krese, Meta Krese, Robert Reithofer

CLIO Graz 2010
96 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-902542-21-3

Euro 8,00

Zu bestellen bei:
Isop oder im gut sortierten Buchhandel

Verborgene Lebensgeschichten erzählen
Vorbemerkungen

Robert Reithofer

Immer wieder bekommen wir in den Diskussionen um Migration und Integration die gleichen Klischees, Vorurteile und Rassismen zu hören. Schärfere Bestimmungen im Asyl- und Fremdenrecht fordern die einen, vermeintlich wohlmeinende, weltoffene Stimmen dagegen stellen die Frage nach dem Umgang mit angeblich so ganz anderen fremden Kulturen. Wenn dann das Ende der multikulturellen Illusion konstatiert wird, vermitteln nicht wenige einen fast erleichterten Eindruck.
Diese ganz unterschiedlich gelagerten Diskurse haben letztendlich eines gemeinsam: sie setzen sich kaum einmal ernsthaft mit den sozialen Alltagsrealitäten von Menschen, die zugewandert sind, auseinander. Noch immer wird darüber diskutiert, ob Österreich eine Einwanderungsgesellschaft sei. Und wenn dies bejaht wird, wird gleichwohl ein zaghaftes und relativierendes Ja, aber angefügt.

Die Arbeiten von Maruša Krese und Meta Krese setzen dazu einen Kontrapunkt. In unterschiedlichen Projekten von ISOP haben die beiden KünstlerInnen in den letzten Jahren das Gespräch mit MigrantInnen aus der Türkei gesucht. Unter dem von Adorno geliehenen Titel „Ohne Angst verschieden sein“ sind sie im Rahmen des Kulturfestivals regionale08 den Spuren der Migration zwischen Feldbach, Konya und Diyarbakır gefolgt. Seither haben sie sich weiterhin regelmäßig mit zugewanderten Familien im oststeirischen Feldbach getroffen. Sichtbar gemacht werden derart verborgene Lebensgeschichten, die keinem geschönten, aber immer respektvollen Blick geschuldet sind.

Das Sprechen über Integration ist zumeist ein leeres Gerede, meint eine Gesprächspartnerin. Beklagt wird, dass kaum Kontakte zu Einheimischen gelingen, dass man nicht freiwillig im Ghetto lebt, aber nur in bestimmten Gegenden leistbare Wohnungen findet. Die reduzierte Wahrnehmung als ungebildete Hilfskräfte wird auch auf jene MigrantInnen übertragen, die über gute Qualifikationen verfügen. Hier ist ein wirkliches Ausland, konstatiert Maruša Krese. Dieses Ausland hat wohl zwei Seiten. So manche MigrantInnen sind nicht wirklich angekommen in Österreich. Zerrissenheit ist eine prägende Lebenserfahrung, der Kampf ums Überleben ein fixer Lebensbestandteil. Das Nicht-Ankommen aber hat seine Ursache ganz wesentlich in einer Gesellschaft, die eine Zuwanderungsgesellschaft wider Willen ist. MigrantInnen sind danach die anderen, denen Zugehörigkeit schwer, nicht selten unmöglich gemacht wird. Deren oft schon in der Steiermark geborene Kinder haben gleichzeitig Heimweh, Heimweh nach Österreich, wenn sie auf Urlaub in der Türkei sind.

Gewollt oder nicht gewollt: Migration ist unwiderruflich Alltag, verbunden mit oft schwierigen und zermürbenden Erfahrungen. Das können wir aus den Alltagsgeschichten, die uns erzählt werden, lernen, vor allem die Aufnahmegesellschaft sollte dies lernen. Immerhin steht damit die Frage der Menschenrechte, der Zugehörigkeit jenseits nationalistischer Grenzziehungen an, in den Worten Maruša Kreses die Frage danach, was Menschen gerecht wird, in all ihrer Verschiedenheit, konkret und alltäglich.

Bilder aus dem Buch

Neue Heimaten?


KORREKTUR DER BILDER
Lokale Herausforderungen von Migration im internationalen Kontext
ISOP zur regionale08

Korrektur der Bilder

Robert Reithofer (Hrsg.)

CLIO Graz 2009
124 Seiten
ISBN 978-3-902542-18-2

Euro 9,00

Zu bestellen bei:
Isop oder im gut sortierten Buchhandel

Im Rahmen der regionale08 hat ISOP mehrere Projekte durchgeführt. Die einzelnen Beiträge des Buches fordern eine Korrektur der Bilder von Migration, sowohl was Klischeevorstellungen über „den“ Islam anlangt als auch die Migrationspolitik der EU.

Das Eigene und das Fremde
Editorial

Die Rückbesinnung auf das Eigene, merkt Navid Kermani in seinem Essay Wer ist Wir? – Europa und seine Muslime an, ist kein europäisches Spezifikum. Vielmehr handelt es sich dabei in unterschiedlichen Ausprägungen um ein weltweit zu konstatierendes Phänomen. Erklärt werden kann es unter anderem als Reaktion auf gesellschaftliche Verhältnisse, die sich durch Unsicherheit auszeichnen. Migration und kulturelle Vielfalt allerdings sind gesellschaftliche Realitäten. In anderen Worten: Europa und Österreich sind unwiderruflich Einwanderungsgesellschaften.
Dies war der Hintergrund für ISOP, als Beitrag zur Regionale08 - Diwan das Projekt Ohne Angst verschieden sein zu konzipieren. Feldbach ist abgesehen von Graz steiermarkweit überdurchschnittlich durch Migration geprägt. Diese Alltäglichkeit von Migration, die gleichzeitig nicht als selbstverständlich wahrgenommen wird, bildete den Ausgangspunkt des Projektes. Das Kernanliegen besteht in der Entwicklung einer dauerhaften Beratungsstelle für Integration und Antidiskriminierung. Sozialarbeiterisches und antirassistisches Engagement mit  künstlerischen und diskursiven Sprachen in Beziehung zu setzen, davon handeln die ISOP-Beiträge zur Regionale. Fragen der Übersetzung, denen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle zukommt, werden in einem konkreten sozialen Kontext bearbeitet.

Die Fotografin Meta Krese und die Schriftstellerin Maruša Krese folgten in einer Reise den Routen der in Feldbach lebenden türkischen MigrantInnen in ihre Herkunftsorte in Ostanatolien zwischen Konya und Diyarbakır. Ihre Arbeit wurde in einer Fotoausstellung an mehreren Orten in Feldbach und Fehring präsentiert, u.a. im türkischen Teehaus oder auch vor dem Rathaus im öffentlichen Raum. Meta Krese und Maruša Krese ist es gelungen, in einen Dialog mit den MigrantInnen, vor allem mit den Frauen, einzutreten. In welchem Ausmaß dieser von Respekt und ernsthafter Zuwendung jenseits von Klischeebildungen getragen war und ist, zeigen die zahlreichen positiven Reaktionen. Nicht nur Freude, sondern oft auch Stolz wurde geäußert, wenn die Bilder nicht irgendwo am Rande, sondern an repräsentativen Orten der Öffentlichkeit zu sehen waren. Gleichzeitig mit diesem Katalog erscheint auch ein Buch, dessen Herzstück die Fotos und Texte der beiden Künstlerinnen darstellen.

Die Notwendigkeit einer Korrektur der Bilder zieht sich als Motiv durch alle Beiträge von „Ohne Angst verschieden sein“. Sihem Bensedrine betont, dass „jeder Dialog sich auf der Grundlage des Bildes entwickelt, das man vom Dialogpartner hat; und dass die Korrektur dieses Bildes den ersten Akt eines fruchtbaren Dialoges darstellt“. In ihrem Essay kritisiert sie, dass sicherheitspolitische Verengungen nicht imstande sind, falsche Bilder von Migration aufzulösen, ganz im Gegenteil. Correction of the Image war auch der Titel einer Ausstellung von Sihem Bensedrine in Kooperation mit ISOP und dem Internationalen Haus der AutorInnen Graz. Um eine Dekonstruktion kolonialistischer Klischees an Hand alter Postkarten geht es dabei. Diese orientalistischen Klischeebildungen äußern sich in der Ära des Postkolonialismus als antimuslimischer Rassismus, der eines der großen Probleme der Gegenwart darstellt. Gesellschaftspolitische Debatten über Integration werden durch diesen Diskurs oft überlagert und machen eine seriöse Diskussion unmöglich.

Einen anderen Blick auf die multikulturelle Geschichte Feldbachs werfen die Spaziergänge von Joachim Hainzl, eine respektvolle Erinnerungskultur, so sein Zwischenresümee, steht noch aus. Temporäre Installationen und Aktionen zum Thema „Grenzräume“ im öffentlichen Raum wurden von StudentInnen der FH-Joanneum, Ausstellungs- und Museumsdesign unter der Leitung von Anke Strittmatter konzipiert. Der Blick von Feldbacher Migrantenjugendlichen auf ihre Gesellschaft steht im Mittelpunkt des Stückes „Fremd in der Fremde“, das in Feldbach, Fehring und auch anderen Orten aufgeführt wurde. Jene, über die meist – und nicht selten vorurteilsbeladen oder auch rassistisch – geredet wird, lassen nicht mehr über sich verfügen und sind in diesem Stück selbst am Wort.

Eine monokulturelle Gesellschaft, so Navid Kermani, wäre ein Alptraum, Migration und kulturelle Vielfalt im kommunalen Raum offensiv und antidiskriminatorisch, durchaus auch konfliktorientiert im Ringen um eine solidarische Gesellschaft zu bearbeiten, stellt einen konkreten Widerpart gegen diesen Alptraum dar. Dafür steht die von ISOP eingerichtete Beratungsstelle für Integration und Antidiskriminierung, die die Bedürfnisse von Menschen ernst nimmt, wie der Beitrag von Michael Kern belegt. Wenn der Feldbacher Bürgermeister Kurt Deutschmann das Anliegen formuliert, dass Feldbach „zur ausländerfreundlichsten Kommune“ in der Steiermark werden soll, wird eben dadurch ein Beitrag zu diesem Vorhaben geleistet.

Robert Reithofer, ISOP


OHNE ANGST VERSCHIEDEN SEIN

Ohne Angst verschieden sein

Robert Reithofer, Maruša Krese, Meta Krese

Leykam Buchverlag,  2008

240 Seiten, gebunden

EUR 9,00

Zu bestellen bei:
Isop oder im gut sortierten Buchhandel

   

Kommt, seht her, schreibt Maruša Krese und nimmt damit den über die Jahrhunderte nachklingenden Ruf Dschalal ad-Din Rumis auf: Komm, komm ... wer immer du bist, Wanderer, Götzenanbeter.
Offenheit, Respekt und Solidarität jenseits nationalistischer Identitäts- festschreibungen sind im Jahrhundert der Migration dringlicher denn je. Vor diesem Hintergrund umkreisen die Beiträge des Buches die Frage, wie es möglich sein könnte, ohne Angst verschieden zu sein. Ausgangspunkt dafür war die kleine, in der Südoststeiermark gelegene Stadt Feldbach, Anlass die Durchführung eines Projektes von ISOP im Rahmen des Kulturfestivals Regionale08 unter dem Motto Diwan.
Bilder des Anderen durch Geschichten realer Menschen zu ersetzen, darum geht es Maruša und Meta Krese. Über mehrere Wochen besuchten die beiden Künstlerinnen in Feldbach türkische und kurdische Familien, knüpften Kontakte zu Verwandten in der Türkei und machten sich schließlich auf die Reise. Die Route führte von Konya über Mardin und Diyarbakır wieder zurück nach Feldbach. Die dabei entstandenen Fotos und Texte stellen das Herzstück des Buches dar, grenzüberschreitende Lebenszusammenhänge werden als nahe Fremde sichtbar.

Die Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine mahnt eine Korrektur der Bilder ein, sowohl was Klischeevorstellungen über „den“ Islam anlangt als auch die Migrationspolitik der EU. Diese opfert aus Angst vor Migration in Kooperation mit den arabischen Regierungen die Menschenrechte einer rigorosen Sicherheitsdoktrin. Migration und Tourismus als Fliehkräfte des Gesellschaftlichen analysiert Mark Terkessedis in seinem Beitrag.
Den Alptraum einer monokulturellen Gesellschaft kontrastiert Navid Kermani  mit der Notwendigkeit einer europäischen Identität, die nicht auf einem Ausschluss des Islam basiert, während Joachim Hainzl auf lokaler Ebene den Spuren kultureller Vielfalt in Feldbach nachgeht. Dass existentielles Reisen längst nicht der Vergangenheit angehört, betont Ilija Trojanow. Eine spirituelle Reise empfinden die Übersetzungen Bernadette Schiefers von Gedichten Rumis nach, jenes anarchistischen Sufimystikers, der die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Konya wirkte, von wo viele der in Feldbach lebenden MigrantInnen kommen.


GEGENWELTEN
Rassismus, Kapitalismus & soziale Ausgrenzung

Gegenwelten

Robert Reithofer, Maruša Krese, Leo Kühberger (Hg.)

Leykam Buchverlag,  2007

647 Seiten, gebunden

EUR 9,00

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Soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und eine Wirtschaft, die die Bedürfnisse von Menschen in den Mittelpunkt stellt, bestimmen anlässlich 20 Jahre ISOP die Spurensuche nach gesellschaftlichen Gegenwelten. 70 AutorInnen aus aller Welt haben Texte verfasst, denen bei aller Unterschiedlichkeit das Engagement für eine humanere Welt gemeinsam ist.

„… überraschend abwechslungsreicher Lesestoff, der einen umfangreichen Blick darauf erlaubt, wie soziale Ausgrenzung entsteht, welche Auswirkungen sie auf  Menschen entfaltet und wie man ihr begegnen kann.“
Der Standard

„Pflichtlektüre. …Das Buch macht Mut und regt dazu an, vorgeblich naturhaft vorhandene Gegebenheiten zu hinterfragen.“
Wiener Zeitung

„… ein überaus gewichtiges Buch“
Der Falter

„… geboren aus Jahre langer antirassistischer Praxis. … Ein bedeutendes Projekt.“
Korso

Armut und soziale Ungleichheit bestimmen das Leben von immer mehr Menschen. Der Rückbau des Sozialstaates in den meisten Ländern des reichen Nordens geht Hand in Hand mit der Verweigerung sozialer Grundrechte in der Dritten Welt. In den Migrations- und Fluchtbewegungen spiegeln sich diese Entwicklungen wider: Die Schicksale von MigrantInnen erzählen uns gleichsam als Boten vom Elend der Welt. An den Grenzen der Festungen der Ersten Welt klebt das Blut von Menschen, die es nicht geschafft haben, die Grenzen zu überwinden. Jene, die in die Festung gelangen, sind tagtäglich mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert. Verantwortlich dafür ist maßgeblich eine neoliberale Politik, die Menschen ungeschützt dem freien Markt aussetzt. In einer Welt aber, die so reich ist wie niemals zuvor in der Geschichte, muss die Frage nach der Verteilung des Reichtums gestellt werden. Soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und eine Wirtschaft, die die Bedürfnisse von Menschen in den Mittelpunkt stellt, bestimmen die Spurensuche der AutorInnen nach gesellschaftlichen Gegenwelten. Anlass für die Publikation ist das 20-jährige Bestehen von ISOP, einer Sozial- und Bildungseinrichtung, die sich als Teil eines Netzes versteht, das Gegenwelten umzusetzen versucht.


FRAUEN SCHREIBEN -
Positionen aus Südosteuropa

Frauen schreiben

Dragana Tomašević, Birgit Pölzl, Robert Reithofer (Hg.)

Leykam Buchverlag,  2006

224 Seiten, Broschur

EUR 9,00

Zu bestellen bei:
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Ein Kooperationsprojekt von ISOP-Innovative Sozialprojekte und dem Kulturzentrum bei den Minoriten/ Literatur

Wenn vom Balkan die Rede ist, so stellt sich nach Maria Todorova die Frage, wie aus einem geographischen Begriff eine der schlagkräftigsten und herabwürdigendsten Bezeichnungen werden konnte. Entsprechend sind die Literaturen Südosteuropas nach wie vor aus verschiedenen Gründen viel zu wenig bekannt und zudem nicht selten marginalisiert. Gleichwohl ist, so Tzveta Sofronieva, eine anstehende Entdeckung der Literaturen der (süd)osteuropäischen Peripherie zu konstatieren, die "einerseits das Zentrum in Frage stellen und damit seine Entwicklung fördern und anderseits die Verbindung zu den Denkweisen außereuropäischer Kulturen erleichtern. Interkulturelle Begegnungen, vor allem die Bekanntschaft mit den Sprachen und der Literatur anderer macht die Differenzen und die Ähnlichkeiten der Sichtweisen der Menschen besser begreifbar, sensibler beobachtbar und - besonders wichtig - emotional erfahrbar."
In diesem Kontext stellt Frauen schreiben Positionen von Schriftstellerinnen aus verschiedenen südosteuropäischen Ländern vor, denen bei aller individueller Unterschiedlichkeit der selbstbewusste und lange Atem von Langstreckenläuferinnen (Magda Cârneci) gemeinsam ist.

Unbekannte Nachbarn...
Neugierde für die hierzulande wenig bekannte Literatur von Schriftstellerinnen aus den Ländern des südosteuropäischen Raumes war für Birgit Pölzl von den Minoriten der Anstoß zum Projekt "Frauen schreiben. Positionen aus Südosteuropa". Sie lud daher 16 Autorinnen und Literaturtheoretikerinnen aus unseren östlichen Nachbarländern ein, sich essayistisch und literarisch mit ihrer Heimat auseinanderzusetzen.

... neue Aspekte
In einer Reihe von Lesungen, die über eineinhalb Jahre ging, wurden die Essays, die ausnahmslos eigens dafür geschrieben wurden, und die sehr unterschiedlichen litararischen Texte - allesamt deutschsprachige Erstveröffentlichungen - bei den Minoriten vorgestellt.

Von Slowenien bis zur Türkei
Die Autorinnen stammen aus Albanien und Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien, Slowenien und aus der Türkei.

Auch bekannte Namen
Darunter sind Marusa Krese, die derzeitige Grazer Stadtschreiberin, oder die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanic, deren Film "Grbavica" vor kurzem bei der Berlinale die höchste Auszeichnung, den Goldenen Bären, erhalten hat.


MENSCHENLEBEN
Der Rand in unserer Mitte

Menschenleben

Dževad Karahasan, Robert Reithofer, Gertrud Kerschbaumer (Hg.)

Leykam Buchverlag,  2005

364 Seiten, Broschur mit Klappen

EUR 13,00

Zu bestellen bei:
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Menschenleben zu erzählen und daraus politische Schlussfolgerungen abzuleiten, die die Würde des Menschen verteidigen, stellt das Motiv für die Entstehung dieses Buches dar. Wider den Blick mit den Augen der Herrschenden muss das Elend, das der Rückzug des Staates aus seiner sozialen Verantwortung produziert, sichtbar gemacht werden.

Mit Beiträgen von: Christian Ehetreiber, Hajrula Fetahi, Elisabeth Freithofer, Silvia Göhring, Günther A. Höfler, Dževad Karahasan, Gertrud Kerschbaumer, Nuray Kanik-Richter, Tamara Kapus, Alla Koundii, Martin Leitner, Heidi M’Daini, Fouad Melab, May Mohammed, Ilse Murnig, James Oduro, Fred Ohenhen, Metin Okyay, Barbara Osei-Weiß, Haydar Özbas, Birgit Pölzl, Otto Rath, Robert Reithofer, Lydia Simon, Karin Schmidlechner, Andrea Tybery, Dragana Tomašević, Marie-Caude Uwamariya, Hans Georg Zilian u. a.

„Nichterzählen bedeutet personale (Selbst)Auslöschung. Nichtakzeptanz der Erzählung des anderen geht einher mit dessen Entseelung, Erzählen hingegen heißt, Menschen entstehen zu lassen – das ist das Bleibende der Geschichten, auch nach der 1002. Nacht.“

Günter A. Höfler

„… und damit so aus jedem dieser einander respektvoll und beharrlich erzählten Leben ein politisches Argument zu werden vermag, und zwar das einzige politische Argument, das es wirklich geben kann, nämlich der Wert und die Schönheit eines Menschenlebens. Auf dass so die alltäglichen Schadensverursacher in Politik, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft Stück nach Stück die Macht über ihre angeblich banalen Mitmenschen verlieren.“

Egon Christian Leitner